unsterblich - Pressestimmen

Urs Spinner in: BLICK (Zürich) vom 5.2.1998

Ein vor Lebendigkeit sprühendes Pamphlet gegen den Tod. Bereits auf dem Buchdeckel rollt die Wortlawine an und endet erst auf dem Rücken. Der Text (...) sucht sich wie Lebenslinien einen Weg quer durchs ganze Buch hindurch, so daß man - am Ende angelangt - wieder von vorne beginnen kann. (...) Laut lesen - die Laute lesen, erhöht den Genuss, denn Frederike Frei ist eine Meisterin der klingenden Sprache. (...) Ein Text zum Totlachen. Ein faszinierendes Buch, in das man sich unsterblich verlieben kann, bis dass der Tod ...

Wend Kässens auf NDR 3 vom 26.2.1998

Aber kommen wir von der strengen Form zum lockeren Inhalt dieser Frei-Geisterei als Höllengelächter. Der Monolog Unsterblich ist eine Anmaßung gegen die Zumutung des Todes. Er ist ein Verweigerungsakt, ein Kinder- und ein Sprachspiel, der Versuch, den Tod mit seinen eigenen Argumenten auszuhebeln. Er ist die Behauptung eines weiblichen Ichs, das von seiner Einmaligkeit überzeugt ist und sich der Ausnahms- und Humorlosigkeit des Todes zu entziehen sucht, weil es vom Leben weiß, daß so gut wie gestorben ist, wer keine Ausnahme macht. (...) So soll denn hier der Eindruck eines zutiefst lesenswerten Buches entstehen, das mir noch besser gefallen hätte, wenn man ihm die erläuternden Sätze Umberto Ecos erspart hätte. Der ist zwar auch unsterblich, selbst über Hamburg hinaus, aber längst nicht so witzig.

NDR 3

Märkische Allgemeine, 6.10.2011:

"Wenn Charlie Chaplin sagt, ein Tag ohne Lächeln sei ein verlorener Tag, dann ist ein Tag ohne den Gedanken an die eigene Sterblichkeit auch kein ganz lebendiger Tag. Das meint jedenfalls Frederike Frei. (...) Unsterbl.ich lautet der Titel, und das Werk ist eine Anmaßung gegen die Zumutung des Todes. ('Obwohl, gestorben werden muss! Ich würd mich bedanken, wenn Sie alle leben bleiben wollten.') Er ist ein Verweigerungsakt, ein Kinder- und Sprachspiel, der Versuch, den Tod mit seinen eigenen Argumenten auszuhebeln. Frederike Frei ist eine Meisterin der Sprache. Zwinkernde Momente unbändiger Lebenslust sind versprochen. Im Rundfunk wurde der Monolog bereits als Hörspiel gesendet, und als Buch ist er im Dölling und Galitz Verlag erschienen."

Märkische Allgemeine

Frauke Hamann in: taz hamburg vom 17.2.1998

Wenn die Schrift Luft holt - Franz Kafkas 'Process', Frederike Freis 'unsterblich' und andere bei den Misswahlen der 'Schönsten deutschen Bücher 1997'

Frederike Freis unsterblich lockt mit einem außergewöhnlich gesetzten Buchstabenstrom zum Weiterlesen - und zum Weiterleben.

taz

Elke Serwe in: MAX 4/98

Ein siegessicheres Ich breitet auf 128 Seiten aus, wie der Tod mit ein bißchen Widerstand in die Flucht zu schlagen wäre. Der Leser muß vor allem blättern. Eine Art Daumenkino in Zeitlupe. Gleich zwei Preise heimste Autorin Frederike Frei dafür ein.

Max

Roland Henß, Prof. für Design an der FH Düsseldorf, in PAGE 5/1998

Dieses Buch ist daher ein radikales Buch. Nicht etwa wegen seines roten Einbands. Es ist radikal im Sinne der lateinischen Wurzel dieses Worts "radix", zu deutsch "Wurzel". (...) Aber Unsterblich ist nicht einfach anders. Es ist aus Prinzip, mit Geist und mit Absicht anders. Die langen Zeilen, in manchen Abschnitten bis zu zwei Meter lang, symbolisieren die von schicksalhaften Unterbrechungen bedrohten Lebenslinien. (...) Gedanklich erhält die äußere Form somit auch eine inhaltliche Rechtfertigung. Nicht alle Kapitel sind gleich lang. (...) Die Leere ist eigentümlich. Sie hat etwas Endgültiges. Sie läßt uns aber auch Atem holen. Das passiert bei anderen Büchern nicht. Und die letzten Seiten sind ja nicht die wirklich letzten Seiten. Formal schließt das Buch auf der Umschlagrückseite mit den Satz "Himmel, das zieht nieder". Da widerspreche ich Ihnen, Frau Frei: Das macht Mut! Oder, um Ihre tatsächlich letzten Worte zu verwenden: "Ich lach mich -"

Page

Jürgen Abel in: Literaturfaltblatt der Hamburger Kulturbehörde für den Sommer 1998

"Ich will nicht sterben." Zu ihrem 40. Geburtstag schrieb sich die Hamburger Schriftstellerin Frederike Frei diesen Satz in ein Schulheft, und weil sie nicht so leicht nachgibt, wenn sie sich etwas vorgenommen hat, liegt inzwischen ein unfassendes Pamphlet mit den Titel Unsterblich als Buch vor, mit dem sie sich den Tod ein für allemal vom Hals schreibt. Gegen ein ewiges "Glanzundglorialeben" spricht nur die Erinnerung an die tote Mutter: "Es gab sie doch immer. Wie den Himmel. Den gab es auch, bevor ich geboren wurde. Wie wenn der Himmel weg wär. Und einer zeigt auf ein Fleckchen Erde und sagt: Hier ist übrigens der Himmel begraben." Das Buch zu lesen ist keine leichte Übung. Schon wie es anfängt, auf dem Umschlag, und aufhört, irgendwo mittendrin, dabei ist es halb leer, weil es in doppeltem Zeilenabstand gesetzt wurde, mit 192 Seiten gar nicht so umfangreich, aber 1200 mal muß man umblättern, wenn man unsterblich werden will. Um zu begreifen, wie das genau funktioniert, gibt es nur ein Mittel: Man geht in die nächste Buchhandlung und erwirbt für nur 29,80 DM wenn schon nicht Unsterblichkeit, so doch ein wunderbares Buch, und man hat sein Geld gut angelegt, denn schon in wenigen Jahren wird Unsterblich beim Antiquar ein Vielfaches wert sein. Unter 3000 Einsendungen aus 23 Ländern erhielt das Buch den internationalen Preis des Type Directors Club New York, des Art Directors Club Deutschland, und es wurde als eines der schönsten Bücher des Jahres 1997 von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Dieser "endliche Monolog" von Frederike Frei ist zudem ein wunderbar poetisches, mit Ironie, Witz, Kampfparolen und Schmähungen durchsetztes Pamphlet gegen den Tod und für das Leben.
Am 15. Juni um 19 Uhr präsentiert sie im Literaturhaus ihr unsterbliches Gesamtkunstwerk.
Buchgestalter: Florian Fischer, Publizist und Gastprofessor an der Hochschule der Künste in Berlin. Rainer Groothuis, Hersteller und Geschäftsführer im Klaus Wagenbach Verlag, Victor Malsy, mehrfach ausgezeichneter Spezialist für Corporate Design.

Hamburg

Christian Schuldt in: Hamburger Rundschau vom 11.6.1998

Todesmutig und -lustig stemmt Frederike Frei sich in Unsterblich gegen Tod und Sterben und erhebt ihren Anspruch auf Unsterblichkeit. (...) Mit dem Prinzip "Erzählen wider den Tod" bedient sich Frederike eines traditionellen Topos: Schon Scheherezade zögerte in 1001 Nacht ihren Tod durch das Geschichtenerzählen hinaus, und Laurence Sternes Tristram Shandy versuchte ebenfalls, dem Tod erzählerisch zu entfliehen. "Worte sind stärker als der Tod." - "Mit meinen ABC-Trupps, meinen Sinnsoldaten X,Y,Z bin ich buchstäblich unschlagbar." In diesem beschwörerischen Erzählstrom erscheint ungehemmte Egozentrik als Todesprophylaxe: "Dem Teufel muß man das Kreuz entgegenhalten und dem Tod sein 'ich'". Konstruktivistisch imprägniert ("Ich bin nicht in der Welt, die Welt ist in mir“) soll die exzessive Lebensbejahung und die Verherrlichung der eigenen Existenz ein wirksanes Anti-Todes-Argument liefern. (...) Andererseits flüchtet die Erzählerin im Angesicht des Todes auch in die romantische Idee vom unendlichen Augenblick ("Jeden Nu möchte ich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.")‚ da ihr das Leben im Zeitfluß eine aufgeschobene Identität verspricht: "Ich sterbe nicht, weil ich nicht bin, sondern werde. Unsereins kratzt nicht ab. Schriftsteller steigen allenfalls ins Grab, um dort zu recherchieren." (...) Doch auch die Reflexionen über Sterben und Tod der Mutter sind zum Teil ganz unpathetisch poetisch. ("Komisch, den Mülleimer auszuschütten an so einem Tag") oder profanisieren den Totenkult. ("Dieser fette Mitesser über ihrer Oberlippe, der dunkle Stöpsel (...) war im Tode, als ich mich endlich drüber hermachen konnte, restlos vergangen. Dieser pralle Pfropfen, was für ein Verlust.") Der Star des Buches ist weniger das Emotionale als das Intellektuelle, das wortspielerische Monologisieren. Und das basiert auf einem simplen, aber effektiven Kniff: der Personifizierung des Abstrakten. Die Erzählerin denkt sich in eine quasi-intime Beziehung zu ihrem Tod-Feind, der ob der mundartlichen Übermacht keine Chance hat. ("Freund Hein? Den red ich nieder, das Freundchen, den Heini") und sich bepöbeln lassen muß als "Geierleger und Leichenschleicher." Zugleich ist diese imaginierte Intimbeziehung zum Teil aber eine ambivalente Haßliebe: denn die Erzählerin bewundert den Tod auch als "Vorbild" wegen seiner Konsequenz: "Der zieht seine Sache voll durch - und so präsent!" Das artistische Jonglieren mit umgangssprachlichen Phrasen wie "Das Kotzsterben kommt überhaupt nicht in die Tüte" bewirkt jedenfalls eine lakonische Entzauberung des Todes und bekräftigt das Credo "Sterben ist nicht mein Ding." Das Erzählen ist also auch ein Lachen wider den Tod.

 

Joachim Wilhelm in: DIE WELT vom 15.6.1998

"'Ich will nicht sterben', ich schrieb diesen Satz aus einen totalen Glücksgefühl heraus. Man muß sich nur auflehnen gegen dieses Ärgernis, die Zumutung, diesen Skandal, der Tod heißt." Frederike Frei jedenfalls hat ihn mit den Mitteln der Poesie scheinbar aus der Welt geschafft: Aus ihrem zunächst banalen Bekenntnis entwickelte sie einen furiosen Monolog, den sie schon oft vorgetragen hat. Ein erstaunliches Buch. Für seine Gestaltung ist der Verlag mit Preisen förmlich überhäuft worden. In ihrer Schublade liegen ein halbes Dutzend unvollendeter Prosaarbeiten. Da muß sie jetzt ran, denn "wer sich dem Ende nicht stellt, bleibt immer ein Anfänger."

Die Welt

Heidi Petermann in Journal für die Frau, 18.3.1998

Inhalt und Optik (vom Designer-Guru Florian Fischer) bilden eine perfekte Einheit. Hier wachsen die Worte über den Rand hinaus, über die Seiten hinweg, vom Ende wieder zurück zum Anfang. Spannende Form, faszinierende Aussage: "Wir Frauen leben ewig", sagt Frei.

Journal für die Frau

Wolfgang Nentwig in: taz hamburg vom 10.12.1990

Schön aber, wie die Frei den Verweigerungsgestus gegenüber dem Unabänderlichen zum infantilen Gehabe stilisiert und passend dazu einen ganzen Koffer mit Plastikkinderspielzeug entleert. Dem pathologischen Pathos jeglicher Sehnsucht nach Unendlichkeit, nicht zuletzt der Sehnsucht nach literarischen Ruhm, wird an diesem selbstironischen Abend eine eindeutige Absage erteilt.

taz

Dölling und Galitz Verlag in der Buchankündigung September 1997:

Wer den Tod satt hat und ihn sich vom Leibe halten will mit wenigen Worten, greife zu diesem Buch. Endlich kann man dem Typen mal den Marsch blasen! Daß es eine Frau tut, freut besonders. "Größenwahn", sagt Frederike Frei, "steht nur einer Frau!" - "Männlich ist der Tod", verblüfft sie weiter, "weil nur Männer sterben. Wir Frauen leben ewig. Jedenfalls ich."

Dölling und Galitz Verlag

Linde-Lembke in Norderstedter Zeitung

Sie ist wieder da, die Autorin Frederike Frei, agil wie eh und je. Mit ihrem neuen Buch UNSTERBLICH hat die Gründerin des Hamburger Literaturlabors gleich einen Hit gelandet. (...) Das Buch ist ein Virus, denn man folgt nahezu lechzend den Spuren, die Frei gegen den Tod schreibt. (...) Der Wortakrobatin, die Prosa komponiert wie Tondichter Musik, ist mit UNSTERBLICH eine köstlich-komische Abrechnung mit Gevatter Tod gelungen. Bis zum Schluß: "Ich lach mich ..."

Norderstedter Zeitung

Briefe an die Autorin:

Hermann Peter Piwitt, 23.5.1991: "Frederike, das ist toll. Das geht bis an den Rand und bleibt trotzdem lebensvoll, facettenreich und witzig. Die besondere Art, es zu lesen, lernt man beim Lesen mit wachsendem Vergnügen. Und ich Dummerjahn habe dich bei den Aufführungen verpaßt.... Ich will inzwischen nur jedem sagen, wie entflammt ich bin, maestra."

Claus Peymann: "Liebe Frederike Frei, vielen Dank für die Zusendung Ihres Monologs, den ich gerne gelesen hab."

Matthias Altenburg: "Ich hab das 'witzige', schnelle Stück mit Vergnügen gelesen."

Dr. Martin Hielscher: "Ich finde diesen Text wirklich sehr gekonnt."

Helmut Lachenmann: "Schon bei der Lektüre in der ersten Fassung beeindruckend. Das ist schon ein Wahnsinnsbuch. Natürlich lasse ich mich jetzt auf alle Leserichtungen ein."

Prof. Ilse Middendorf: "Schon zum zweitenmal bin ich am Lesen der F. Frei, die nicht sterben will und die so lebendig ist, daß sie mich mitreißt, daß der Alltag andere Farben bekommt. Zuerst war ich erschrocken, daß ich bei jeder Zeile umblättern sollte, aber bald habe ich bemerkt, daß die Bewegung ein Teil des Tanzes ist, der mich in Schwung bringt. Eines der Wunder ist, daß die allzu bekannten, abgedroschenen Redensarten zu Perlen werden können .... und das alles im Glitzerglanz des Humors, dessen Ausbreitung in meine Gefilde voll gelungen ist."

Fritz Vilmar: "Ich halte es für eine Zumutung, es in dieser Form lesen zu sollen."

 
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